Braucht Harburg einen Kinderschutzbeauftragten?

Am 25.02.2014 habe ich in der Harburger Bezirksversammlung einen Rede zum Antrag XIX-1972 der CDU-Fraktion „Einrichtung eines Kinderschutzbeauftragten“ und zum meinem Antrag XIX-2045 „Arbeit der Harburger Kinderschutzkoordinatorin und des Harburger Kinderschutzzentrums“ gehalten:

Sehr geehrtes Präsidium, meine Damen und Herren,

in den vergangenen Jahren haben in Hamburg immer wieder Fälle von Kindesvernachlässigung, -missbrauch und -tötung traurige Bekanntheit erlangt. Jeder Tod, jede Misshandlung eines Kindes ist tragisch und macht uns betroffen und sprachlos. Um es zu verdeutlichen, jeder einzelne Fall ist ein Fall zu viel.
Besondere Aufmerksamkeit erfahren solche tragischen Fälle, wenn sie Kindern zustoßen, die sich bereits in der einen oder anderen Weise in staatlicher Obhut befinden.

Ein Fall, der deutschlandweit in die Schlagzeilen geriet, war der Fall der kleinen Jessica im Jahre 2005. Das Mädchen war von ihren Eltern so vernachlässigt worden, dass sie an den Folgen dieser Vernachlässigung starb. Die Hamburger Behörden gerieten massiv in die Kritik, weil sie u.a. die Tatsache, dass Jesscia keine Schule besuchte, nicht energisch genug verfolgten. Im Zuge dieses Ereignisses führte der damalige CDU-Senat im Jahre 2005 den Maßnahmenkatalog „Hamburg schützt seine Kinder“ ein. Zu diesen Maßnahmen zählte auch die Einführung von Kinderschutzkoordinatoren in jedem Bezirk und beim Kinder- und Jugendnotdienst. In den Bezirksämtern wurden diese Stellen direkt den Leitungen der Fachämter für Jugend- und Familienhilfe unterstellt

Sie sind, laut Stellenausschreibung, unter anderem zuständig für:

  • Koordinierung des Kinderschutzes im Jugendamt,
  • Fachberatung und Fallkoordination in besonderen Einzelfällen
  • Optimierung von Arbeitsabläufen und Dokumentationen im Bereich Kinderschutz.
  • Förderung eines abgestimmten Handelns bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdungen und eines gemeinsamen Problemlösungsverständnisses zwischen dem Jugendamt und freien Trägern.
  • Mitwirkung bei der Entwicklung von Angeboten und Konzepten, die der Weiterentwicklung des Kinderschutzes dienen.

Zwei Jahre nach Einführung der Maßnahmen berichtet der CDU Senates in der Mitteilung an die Bürgerschaft, Drucksache 18/6369„Hamburg schützt seine Kinder: Umsetzung der Maßnahmen“:
„Die breite Aufgabenpalette der Kinderschutzkoordinatoren, ihre Einbeziehung bei der Bearbeitung von Einzelfällen bis zu fachlich steuernden und koordinierenden Tätigkeiten haben sich sowohl als wirksame Unterstützung der Arbeit der ASD wie als günstige Voraussetzung für eine fachlich kompetente Qualitätssicherung erwiesen.“

Für Harburg bedeutet das, dass die Harburger Kinderschutzkoordinatorin unter anderem eng mit dem Harburger Kinderschutzzentrum zusammenarbeitet.

Das Kinderschutzzentrum hat im Jahre 1997 seine Arbeit in Harburg aufgenommen. Seine Aufgabe wurde im Jahresbericht 2012 folgendermaßen beschrieben:
„Das Kinderschutzzentrum ist für Familien zuständig, in denen Kinder und Jugendliche Gewalt ausgesetzt sind. Hilfeangebote des Kinderschutzzentrums sind Telefonberatung und Beratung und Therapie für Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien. Außerdem bieten wir Fachleuten Unterstützung in Form von Fachberatung.“
Sowohl die Kinderschutzzentren als auch die Kinderschutz-koordinatoren sind Ansprechpartner der unterschiedlichsten Professionen, die sich um den Kinderschutz bemühen. Sie bieten z.B. Informationen und Fortbildungen für Lehrer und Erzieher an.

Die SPD-Bezirksfraktion unterstützt die erfolgreiche Arbeit der Kinderschutzkoordinatorin und des Kinderschutzzentrums und bezweifelt die Notwendigkeit eines zusätzlichen Kinderschutz-beauftragten, da die im CDU-Antrag umrissene Aufgabenstellung bereits von den erwähnten Stellen erfüllt wird.

Um einen ausführlicheren Einblick in ihre Arbeit erhalten zu können, möchten wir die Kinderschutzkoordinatorin und die Mitarbeiter des Kinderschutzzentrums darum bitten, sie uns im Jugendhilfeausschuss vorzustellen.

Wir dürfen uns im Übrigen nicht der Illusion hingeben, dass eine gute Vernetzung und eine optimale Stellenauslastung der Jugendämter eine Garantie dafür darstellt, dass sich Fälle, wie die von Jessica, Lara oder Chantal, nicht wiederholen. Wir müssen aber dafür Sorge tragen, dass ausreichende Unterstützungen und Hilfen für gefährdete Kinder und Jugendliche vorgehalten werden. Dafür wird aber kein zusätzlicher Kinderschutzbeauftragter benötigt. Dementsprechend lehnen wir den Antrag der CDU ab und bitten um Annahme unseres Antrages.

Vielen Dank!