Bezirk Harburg

Von den einen als hässlicher Industriestandort geschmäht, von den anderen als grünster Hamburger Bezirk geliebt, bietet Harburg weit mehr als die Klischees, die manch’ Hamburger im Kopf haben mag: Auf der einen Seite hat Harburg mit dem wunderschönem Harburger Stadtpark, der Haake oder der Fischbeker Heide nicht nur eine, sondern viele “Grüne Lungen”. Die Harburger Berge sind für viele Hamburger ein beliebtes Naherholungsgebiet. Auch die Bauernhäuser im Marmstorfer Ortskern oder die großzügigen Villen in Heimfeld-Süd lassen einen schnell vergessen, dass man sich in einer Großstadt befindet.

Auf der anderen Seite befinden sich – und ich tue mich schwer mit diesem Begriff – die sogenannten “sozialen Brennpunkte”, Wohnquartiere geprägt von einer hohen Arbeitslosigkeit, einem hohen Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund und einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Empfängern von Transfer-Leistungen.

Auch die Harburger Innenstadt zeigt viele verschiedene Seiten, so besteht sie nicht nur aus der Fußgängerzone in der Lüneburger Straße, in der sich die so oft erwähnten 1-Euro-Läden und Bausünden der 60er/70er und 80er Jahre wiederfinden, sondern auch aus historischen Gebäuden, wie dem Harburger Rathaus aus dem Jahr 1889 (eine Reminiszenz an die Zeit, in der Harburg noch eine eigenständige Stadt in der preußischen Provinz Hannover war) oder den liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern im Gastronomieviertel um die Lämmertwiete.

Lange vernachlässigt und durch die Trassenführung der Bahn von der heutigen Innenstadt abgeschnitten, erlebt die eigentliche Keimzelle der historischen Stadt Harburg, der Hafen, eine Renaissance: im sogenannten Channel Hamburg bietet er Platz für IT-Unternehmen, Gastronomie und auch das Wohnen am Wasser entlang der alten Hafenbecken gelangt zu neuen Ehren.
Angestoßen wurde diese Entwicklung durch die Entscheidung des damaligen sozialdemokratischen Senates unter Federführung des Hamburger Bürgermeisters Hans-Ulrich Klose, im Jahre 1978 die Technische Universität Hamburg-Harburg zu gründen. Ihren Lehrbetrieb nahm sie 1982/83 auf und aus der Kleinst-Universität mit gerade einmal einer handvoll Studenten, ist heute eine renomierte Universität mit über 7000 Studenten geworden. Absolventen und Dozenten der TU-HH waren unter den ersten, die sich mit ihren Ingenieursbüros im damals noch Channel Harburg genannten Gebiet niederließen. Inzwischen gibt es dort über 160 Unternehmen und mehr als 6500 Mitarbeitern. Die Impulsgebung, die sich der SPD-geführte Senat von dieser Gründung versprochen hatte, ist damit außerordentlich erfolgreich eingetreten.

Dies war nur eine der vielen positiven Entwicklungen, die durch die sozialdemokratisch geführten Senate, die Harburger SPD-Bezirksamtsleiter und SPD-Fraktion der Harburger Bezirksversammlung der letzten Jahrzehnte in Angriff genommen wurde. So löste z.B. im Jahr 1983 die Linie S 3/31 die Nahverkehrzüge der Bahn ab, die – heute schwer vorstellbar – damals die einzige direkte ÖPNV-Verbindung zwischen Harburg und Hamburg darstellten.

Auch kulturell ist Harburg alles andere als langweilig. So hat sich z.B. in der Hamburger Musik-Szene das Stellwerk inzwischen einen Namen gemacht. Und abseits der Kunsthalle oder des Bucerius Kunstforums in der Hamburger Innenstadt, befindet sich eine der bedeutendsten Sammlungen der zeitgenössischen Kunst in den Hallen der ehemaligen Phoenix-Werke in Harburg: die Sammlung Falckenberg. Neben dieser bedeutenden Sammlung gibt es aber auch Kunst jenseits von Austellungshallen zu entdecken: Der Harburger Kunstpfad führt über 27 Stationen quer durch Harburger Innenstadt von Kunstwerk zu Kunstwerk.
Harburg ist ein Bezirk in dem sich im Kleinen wiederfindet, was Hamburg als Ganzes ausmacht: die Gegensätze, die so typisch für diese lebendige Metropole sind. Ebensowenig wie Hamburg nur aus Blankenese oder nur Kirchdorf-Süd besteht, sowenig ist Harburg nur sozialer Brennpunkt oder nur Wohnort der Wohlhabenden auf der “Waldseite” Hausbruchs…

Und nicht zuletzt ist Harburg ein Bezirk mit einer langen sozialdemokratischen Geschichte. Der Wahlkreis Harburg wurde von 1949-1983 durch den Hamburger Ehrenbürger Herbert Wehner und danach durch Hans-Ulrich Klose – mit beeindruckenden Wahlergebnissen – im Deutschen Bundestag vertreten. Bis heute gilt, dass es noch kein Mitglied der anderen, im Bundestag vertretenen, Parteien geschafft hat, das Harburger (und seit der vorletzten Bundestagswahl auch das Bergedorfer) Direktmandat zu erringen.

Eine kleine Bemerkung am Rande: eine liebenswürdige Eigenart, die man auch anderen Bewohnern der Hamburger Stadtteile nachsagt, die erst nach 1937 zwangseingeliedert wurden, eint viele “alte” Harburger: sie fahren “in die Stadt”, wenn sie in die Innenstadt ihres Bezirks meinen. Ist jedoch die Hamburger Innenstadt das Ziel der “Reise”, so fahren diese Harburger auch heute noch “nach Hamburg”.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen nahe bringen, dass Harburg ein Bezirk jenseits der Stereotypen ist, die vielfach mit ihm assoziert werden: Harburg ist ein Bezirk mit vielen unterschiedlichen Facetten, ein Bezirk mit großen Herausforderungen, ein Bezirk im Wandel, ein Bezirk mit einer großen sozialdemokratischen Tradition und ein Bezirk mit einer vielversprechenden Zukunft.

All dies ist für mich Ansporn und Verpflichtung zugleich für diesen Bezirk und seine Bewohner in der Harburger Bezirksversammlung zu wirken.